Kalt gepresstes ÖL? Nicht immer kalt gepresst und ungesund!

Olivenöl kalt gepresst

Olivenöl kalt gepresst

Dass pflanzliche Öle aufgrund ihres hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren einen unschätzbaren Wert für die Gesundheit haben, ist unbestritten. Vielen ist auch bekannt, dass man kaltgepresste Öle verwenden soll, da bei Temperaturen über 42 Grad Celsius viele, in den Ölen befindliche Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe schaden nehmen und solche Öle für unsere Gesundheit wertlos, ungeeignet und gar schädlich sind.

Viele Öle, die wir kaufen können, sind mit der Bezeichnung „Kalt gepresst“ versehen. Doch ist wirklich immer drin was drauf steht? Wie werden die in unseren Supermärkten angebotenen sogenannten kalt gepressten Öle eigentlich gefertigt?

Werden diese wirklich kalt gepresst? Das heißt, werden die Ölsaaten wie Leinsamen, Sonnenblumen, Seesamsamen, Sojabohnen, Hanfsamen, Raps und Nüsse niemals über 42 Grad Celsius erhitzt? Wer das glaubt, glaubt wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann.

Also, was macht die Industrie mit den kostbaren Ölsaaten um daraus sogenanntes „Kalt gepresstes Öl“ zu gewinnen?

  1. Im ersten Schritt werden die Ölsaaten zerkleinert und zertrümmert und bei ca. 120 Grad Celsius knappe zwei Stunden gekocht. Durch diesen Schritt werden die Zellwände völlig aufgebrochen und die Ölausbeute wird höher.Frittieröl
  2. Nun werden die zuvor erhitzten und anschließend erkalteten Ölsaaten unter hohem Druck durch einen Mühle gepresst. Der Druck ist so hoch, dass die Temperatur des Mahlgutes ein weitere Mal auf ca. 85 – 95 Grad Celsius und in absoluten Extremfällen bis zu  ca. 160 Grad Celsius ansteigt.
  3. Jetzt wird die ausgepresste Restmasse mit Chemikalien wie n- Hexal oder Benzol, welches übrigens als krebserregend gilt, versetzt. Damit schafft man es, auch die letzten Reste Öl aus den Samen zu holen. Anschließend werden die Chemikalen wieder auf chemischem Wege entfernt. Dennoch verbleiben Spuren dieser auch im Öl zurück.
  4. In Schritt 4 wird das Öl entschleimt. Das heißt, es werden alle gesundheitsfördernden Schwebstoffe (Phosphatide, Acetylcholin, Lecitin und sekundäre Pflanzenstoffe) entfernt – ein klares Öl ohne Bodensatz verkauft sich halt besser!
  5. Nun wird das Öl, damit es länger haltbar bleibt und auch in billigen, hellen PVC-Flaschen gelagert werden kann, nochmal eine halbe Stunde bei 110 Grad Celsius gebleicht. Hierbei werden chemische Stoffe wie Kleie und Ätzkalk hinzugefügt. Somit werden alle Farbpigmente des Öls entfernt und auch das wertvolle Chlorophyll und das gesunde Beta-Carotin dem glasklaren Aussehen geopfert.
  6. Da das Öl oder was davon jetzt noch übrig ist, während des gesamten Prozesses in Kontakt mit Sauerstoff war, ist es natürlich oxidiert und wurde somit ranzig, übelriechend und gesundheitsschädlich. Tja, jetzt sieht es zwar gut aus aber riecht übel. Aber auch hier hat sich die Industrie Gedanken gemacht und enttäuscht den ahnungslosen Verbraucher nicht. Die Lösung heißt Desodorisation. Dabei wird das Öl ca. eine halbe Stunde unter hohem Druck in Wasserdampf bei ungfähr 270 Grad Celsius sterilisiert. Diese Behandlung muss und wird nicht auf den Flaschen deklariert!
  7. Im siebten und letzten Schritt wird das Öl endlich in die Flaschen abgefüllt und mit dem Etikett „Kalt gepresst“ versehen, denn beim eigentlichen Pressvorgang wurde ja keine externe Hitze zugeführt.

OlivenölflaschenDas Endprodukt ist jetzt leider kein Öl mehr, welches die Gesundheit fördert, denn es fehlen ihm Phosphatide, Acetylcholin, Lecitin und sekundäre Pflanzenstoffe. Weiterhin sind sämtliche Vitamine zerstört- vor allem der hohe Anteil an Vitamin E (Tocopherol).  Das industriell gefertigte Toxin, welches sich „Kaltgepresstes Öl“ nennen darf, ist weitestgehend farblos, geruchsneutral, enthält keinerlei gesundheitsfördernde Substanzen und in ihm wurde ein Großteil der gesundheitsfördernden ungesättigten Fettsäuren in krebserregende Transfette umgewandelt.

Na dann guten Appetit lieber Endverbraucher!

Ein gutes, hochwertiges Öl ist gekühlt maximal 8 Monate haltbar und riecht sowie schmeckt deutlich nach der Ölsaat aus der es gewonnen wurde. Es enthält Schwebstoffe und wurde während der Produktion niemals mit Chemikalien versetzt und keinesfalls über 42 Grad Celsius erhitzt. Zum Schutz der licht- und wärmeempfindlichen Inhaltsstoffe muss das reichhaltige Öl somit immer gekühlt in dunklen Flaschen oder lichtundurchlässigen Behältern aufbewahrt werden.

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6 Kommentare
  1. guntram
    guntram says:

    oh mann – ich habe mir letzte Woche eine Flasche Leinöl bei Lidl gekauft. Darauf war zwar nicht zu erkennen ob es kaltgepresst war (sicher wohl nicht) aber ich hatte keine Alternative und wollte es probieren.

    Auffällig war, dass es eine helle Flasche war, was wohl schonmal recht ungünstig ist. Viel schlimmer war aber dass das Leinöl gleich nach dem Öffnen ranzig geschmeckt hat – total bitter.

    Wer schon mal wirlich gutes, frisches, kaltgepresstes Leinöl vom Markt verspeist hat (so wie ich) der wird verstehen, dass die Flasche Leinöl vom Lidl-Discounter gleich den Weg in den Müll gefunden hat.

    Schade drum, aber das war weder lecker noch gesund. Wirklich kaltgepresst ist einfach besser!

  2. solli
    solli says:

    Hallo. Ich achte schon immer darauf kaltgepresste Öle zu kaufen und wusste auch, dass es eine recht schwammigen Grenze gitb und somit „klatgepresst“ nicht wirklich kaltgepresst bedeuten muss. Jetzt weiß ich wie das Öl wirklich gemacht wird. Aber was ist mit den günstigen nativen Ölen?
    Kann mir jemand sagen, ob zum Beispiel das native Olivenöl von Alsi/Lidl etc. für ca. 2,60/750ml wirklich kaltgepresst sind, oder enthalten sie auch anstatt sekundären Pflanzenstoffen Transfettsäuren usw.?
    Ich freue mich über eine Antwort.

  3. bulce
    bulce says:

    Hallo Solli,

    danke für deinen Kommentar.
    Ich versuche mal deine Frage so gut es geht zu beantworten.

    Wenn das öl nur „nativ“ ist sollte es überwiegend ( jedoch nicht ausschließlich) kalt gepresst worden sein und darf einen maximalen Säuregehalt von 2% haben. Jedoch ist es dann nicht aus der ersten Pressung sondern besteht überwiegend aus den resten der ersten Pressungd.h. es kann unter Umständen während des Pressvorgangs mit Chemikalien versetzt worden sein. Weiterhin darf bei „nativen Ölen“ die Zeit vom Einsammeln der Oliven bis zum eigentlichen Pressvorgang unter Umständen mehrere Tage lang sein. Dabei verfaulen die ersten Oliven. Diese werden oftmals leider nicht aussortiert und mitgepresst. Daher auch der hohe Säuregehalt.
    Kaufen sollte man also nur Öle die die Bezeichnung „Natives Olivenöl Extra aus erster Pressung“ tragen. Weiterhin sollte auf der Flasche der Säuregehalt angegeben sein. Dieser darf in der Qualitätsklasse nicht höher als bei 0,8% liegen.

    Weitere Faktoren die die Qualität des Öls beeinflussen sind:
    * Sorte
    * dem Zustand der Oliven wie Reife, Wasserversorgung beim Wuchs,
    * Anteil von angefaulten und von Schädlingen befallenen Früchte
    * Reinheit von Fremdkörpern wie Laub, Aststückchen und Sägespäne
    * Art und Dauer der Lagerung nach der Ernte bis zur Verarbeitung
    * Reinheit der Anlagen bei der Verarbeitung, insbesondere Rückstände von älteren Chargen
    Somit ist Olivenöl kaufen immer Vertrauenssache. Wenn beispielsweise während der Pressung das Öl durch viele Kunststoffschläche läuft, kann es die fettlöslichen Weichmacher aus dem Kunststoff herauslösen. Diese finden sich dann auch in hochwertigen Ölen wieder.Zu den Ölen aus dem Dicounter kann ich mit Sicherheit sagen, dass die für die Gesundheit wertvollen Schwebstoffe herausgefiltert, denn ein Bodensatz lässt sich nicht erkennen.
    Zur Zeit befinden wir uns in Verhandlung mit einem Bauern aus Griechenland, der kalt gepresstes ungefiltertes Öl anbietet. Ich denke in wenigen Monaten werden wir dieses in einem angegliederten Shop anbieten. Eventuell probierst du dieses dann ja einmal und machst einen Geschmacksvergleichstest mit deinem jetzig verwendeten Öl.

    Ich hoffe, deine Frage zufriedenstellend beantwortet zu haben.

    Viele liebe Grüße MrEco

  4. Sawyer
    Sawyer says:

    Hallo Mr. Eco. Es ist zwar schon ne weile her , aber gibt es den im letzten Kommentar erwähnten Öl-Shop schon ??

    Grüße…

  5. bulce
    bulce says:

    Hallo,

    Leider gibt es den Shop noch nicht online.
    Wir befinden uns jedoch in Probepressungen und haben erstes Leinöl gepresst. Weitere Pressungen werden folgen und wenn die Testphase abgeschlossen ist und wir die Qualität gewährleisten können, die wir an unsere Produkte stellen möchten wird der Shop mit ersten Produkten online gehen.
    Gern können wir Sie per Mail informieren sobald die Vorbereitungsphase abgeschlossen ist.
    Bis dahin bitten müssen wir Sie leider vertrösten.

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